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10 Thesen zur Fremdenverkehrspolitik für die Fränkische Schweiz

von Dr. Klaus-Dieter Preis, Gößweinstein

Grundanliegen dieser 10 Thesen ist es nicht, die Quantität der Besucher der Fränkischen Schweiz zu erhöhen, sondern die Qualität des Fremdenverkehrs zu steigern. Die Grenzen dieser Landschaft, ihre Bewohner/innen und Erholungssuchende zu versorgen, müssen grundsätzlich bei allen touristischen Maßnahmen berücksichtigt werden.

These 1: Tourismuspolitik für die Fränkische Schweiz muss auf die Grundprobleme unserer Zeit eine ernsthafte und nachvollziehbare Antwort geben.

Die Grundprobleme unserer Zeit lassen sich zurückführen auf den ungehemmten Verbrauch fossiler Energieträger. Die geistesgeschichtliche Ursache ist meines Erachtens in einer geistig-geistlichen Sinnkrise des modernen Menschen zu suchen.

Als Probleme sind anzusehen:
bulletKlimaänderung
bulletdie Waldschäden
bulletdie Luftverschmutzung
bulletdie Wasserbelastung (als Folge des Schadstoffeintrags wie des erhöhten Verbrauchs)
bulletder Artenrückgang bei Pflanzen und Tieren
bulletdie Zunahme der gesundheitlichen Belastungen der Menschen.

Die Arbeitslosigkeit ist hierbei ebenfalls zu nennen. Sie kann jederzeit als Folge des rücksichtslosen Umgangs mit Energie und Umwelt begriffen werden. An politischen Leitzielen, die auch Tourismuspolitik anzuerkennen hat, hat die Konferenz von Rio 1992 die Kommunen ausdrücklich aufgefordert, ihre Handlungsmöglichkeiten vor Ort voll wahrzunehmen. Sie sollen das ihnen mögliche unternehmen, um den Energieverbrauch einzudämmen.

These 2: Zukunftsorientierter Fremdenverkehr für die Fränkische Schweiz muss ein umweltverträglicher Fremdenverkehr sein.

Ein umweltverträglicher Fremdenverkehr hat als Zielsetzung, dass die gesamten Lebensgrundlagen Luft, Boden und Wasser geschützt werden und Lebensbereiche, die von ihnen beeinflusst werden, so gestaltet werden, dass sie zur Erhaltung dieser Umwelt beitragen. Es darf nie vergessen werden, dass eine intakte Umwelt Voraussetzung für die Attraktivität der Fränkischen Schweiz als Erholungsgebiet ist!

Bisheriger Fremdenverkehrspolitik war vor allem daran gelegen, die Besucher - bzw. Übernachtungszahlen zu erhöhen. Komfortverbesserung, eine Erhöhung der Angebote für die Besucher, sowie eine breit gestreute Werbung sollten diesem Ziel dienen. Orientiert man sich, vorrangig an der Quantität der Besucherzahlen, so werden sich Grenzen der Belastbarkeit für die Natur bspw. bei der Wasserversorgung, möglicherweise bei Kläranlagen ergeben, ebenso ein Siedlungsdruck zum Neubau von Unterkünften für Besucher entstehen, der dieser Landschaft nicht zugute kommt.

These 3: Umweltverträglicher Fremdenverkehr kann nur ein Fremdenverkehr sein, der den Energieeinsatz bei der Entstehung dieses Verkehrs auf das größtmögliche Minimum reduziert.

Es kann nicht übersehen werden, dass derzeit Tourismus und Verkehr zusammen gehören. Dieser motorisierte Verkehr wird jedoch zunehmend zu einer Hauptbelastung der Umwelt sowie der einheimischen Fremdenverkehrsorte. Um diesen Verkehr zu reduzieren, ergeben sich einige zwingende Folgerungen, wobei nicht vergessen werden darf, dass die Fränkische Schweiz ein wichtiges Wochenendverkehrsgebiet ist: Die Fränkische Schweiz braucht für den Wochenendverkehr zumindest in der Hauptfremdenverkehrszeit ein funktionierendes, dichtes Freizeitbussystem, das die angrenzenden Städte Nürnberg, Fürth, Erlangen, Bayreuth, Bamberg an die Region anbindet. 

Zielsetzung ist ausdrücklich, diesen belastenden Wochenendverkehr auf den öffentlichen Busverkehr umzuorientieren. (Der Rezensent meines Buches "Die ökologische Region. Zur Zukunftsentwicklung der Fränkischen Schweiz" behauptete, ich wolle damit noch mehr Besucher in die Fränkische Schweiz hineinbringen, hatte offensichtlich das tatsächliche Grundanliegen eines Freizeitbussystems nicht verstanden). Die Fränkische Schweiz braucht unbedingt eine weitaus stärkere Vernetzung des öffentlichen Nahverkehrs zwischen den drei Landkreisen: Forchheim, Bamberg und Bayreuth. Ich behaupte, dass im anderen Fall es zu einem Zerfallen der Urlaubsregion Fränkische Schweiz kommt. Aber auch für die Bewohner der Landschaft heißt das, dass die Politik ihnen keine besondere Alternative zur Benutzung des Privatautos anbietet. Beispielsweise berührt die touristische Ringlinie, die der Landkreis Bayreuth für die Fränkische Schweiz eingeführt hat, um Bayreuther Orte wie Betzenstein und Pottenstein, grenzt aber einen touristisch wichtigen Ort wie Gößweinstein aus. Aus meiner Sicht müssen sich die Landkreise Bayreuth und Bamberg dem Verkehrsverbund Nürnberg unbedingt anschließen, um so dem Individualverkehr der Fränkischen Schweiz eine Alternative anzubieten!

- Im Zeichen knapper Kassen der öffentlichen Haushalte sollten kreative Lösungen für das Verkehrsproblem verstärkt gesucht werden. Beispielsweise könnten Hotel- und Gaststättenbetriebe von Hauptverkehrsorten sich zusammenschließen, um mit den Kommunen geregelt verkehrende Kleinbussysteme aufzubauen, die gerade die wandernden Gäste wieder gesichert an ihre jeweiligen Urlaubsorte zurückbringen könnten.

- Grundsätzlich sollte die Tourismuspolitik darauf abzielen, dass vor allem Urlaubsgäste ohne Privat Pkw in die Fränkische Schweiz kommen. Diesen Gästen wären besondere Vergünstigungen, etwa bei der Benutzung öffentlicher Einrichtungen, zu geben.

- Sicherlich ist anzustreben, dass die Hauptorte der Fränkischen Schweiz durch Radfahrwege untereinander verbunden sind. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass dies nicht auf Kosten wichtiger Hauptwanderwege gehen darf und dass auch Radfahrwege nicht landschaftswichtige Bereiche der Fränkischen Schweiz zerstören dürfen. In solchen Fällen muss der Radfahrer Straßen benutzen.

- Für die Erholungsqualität der Fränkischen Schweiz ist es wichtiger, die regionale Verkehrsentlastung voranzubringen als einzelne Orte verkehrsärmer zu machen. Letzteres wird nämlich sehr wahrscheinlich zu einer weiteren Verkehrsbelastung der Gesamtregion führen!

These 4: Umweltverträglicher Fremdenverkehr muss sich immer als sozialverträglicher Fremdenverkehr für die einheimische Bevölkerung erweisen.

Die Orte der Fränkischen Schweiz haben auch eine soziale Identität. Diese darf nicht durch Ferienwohnungs- Großprojekte (Beispiel Waischenfeld), aber auch nicht durch den Verkauf von Landschaft zugunsten von Zweitwohnungen aufs Spiel gesetzt werden. Besonders ist es wieder der Individualverkehr, der vor allem an den Wochenenden spürbar in manchen Orten der Fränkischen Schweiz durch seinen Lärm, die Auspuffgase und durch die erzeugte Unruhe zu einer Belastung der einheimischen Bevölkerung wie auch der länger anwesenden Erholungsgäste führt. Die Grenzen des Ausbaus als Fremdenverkehrsort müssen von der betroffenen Bevölkerung festgelegt werden.

These 5: Die Orte der Fränkischen Schweiz werden nur dann für den Fremdenverkehr interessant bleiben, wenn sie ihre Eigenart, ihre Identität behalten.

Diese Eigenart der Dörfer und Städte hat sich im Laufe der Geschichte herausgebildet. Sie betrifft auch ihre kulturelle Eigenheit - die in einer Entwicklung steht. Dazu gehört ein spezielles Orts-/ Stadtbild, wobei der Altgebäudebestand in der Regel eine besondere Wichtigkeit hat. Schließlich dürfen die charakteristischen Landschaftsbestandteile, in die die Dörfer/Städte eingebettet sind, mit ihrer ganz spezifischen Pflanzen- und Tierwelt nicht vergessen werden. In diese besondere Eigenart der Fremdenverkehrsorte müssen "ökologische Projekte" integriert werden, die insbesondere die Zielsetzung der Energieeinsparung für die Kommune haben sollen. Herausforderungen der Gegenwart müssen die Kommunen zukunftsorientiert begegnen. Dies wird ihre Attraktivität als Fremdenverkehrsgemeinde erhöhen.

These 6: Wirtschaftliche Zielsetzung des Fremdenverkehrs ist, dass sein Nutzen möglichst breit der einheimischen Bevölkerung zugute kommt.

Bisher sind es vor allem die Gaststättenbesitzer, das dort angestellte Personal, Zulieferbetriebe und die Vermieter von Übernachtungszimmern, die einen Nutzen aus dem Fremdenverkehr haben. Demgegenüber sind die Einnahmen der Kommunen, die die Bäder finanzieren, die dörflichen Eigenheiten erhalten und für eine intakte Infrastruktur sorgen, relativ gering. Das gleiche gilt für die Landwirtschaft und die Kleinbetriebe.

These 7: Der Vertrieb umweltgerecht erzeugter regionaler Produkte wird nicht nur den Besuchern wie den Bewohnern der Fränkischen Schweiz vielfältigen Nutzen bringen, sondern er wird auch die Erlebnisqualität der Region erhöhen.

Dies lässt sich etwa an der Vermarktung des Juralamms zeigen, das zum einen die Trockenrasen der Fränkischen Schweiz durch das Abweiden erhält, das zum anderen jedoch in den Gastwirtschaften von den Gästen gerne gegessen wird, da es ein einheimisches Nahrungsmittel ist. In der Region Hindelang wurde dies im großen Maßstab umgesetzt, insofern dort die Bauern nur noch extensiv wirtschaften und diese ökologischen Nahrungsmittel dann in der Gastronomie und in anderen heimischen Betrieben verkauft werden. Dazu wurde ein spezielles Gütesiegel für die Region eingeführt. Für die Fränkische Schweiz ist die Umstellung der Landwirtschaft auf ökologische Betriebe anzustreben, da hierdurch der Boden- und Gewässerschutz in der karstigen Landschaft am optimalsten erreicht werden kann.

Zugleich sind diese ökologischen Produkte in der Region ganz gezielt zu vertreiben. Die Einführung eines Gütesiegels würde als Qualitätszeichen sowie zum Verbraucherschutz dienen. Von Erholungssuchenden weiß man, dass sie bewusst einheimische Produkte bevorzugen.

Der Vertrieb kleiner, umweltgerechter hergestellter Handwerksprodukte aus der Fränkischen Schweiz sollte an die Stelle von üblichem Andenkenkitsch treten. In vielen Orten gab es und gibt es teilweise noch ganz besondere handwerkliche Fähigkeiten, die es sehr wert sind, vor der Vergessenheit bewahrt zu werden (Korbbindereien, kunstgewerbliche Sachen, Morschreuther Malereien, Kunstgegenstände aus Schmiedeeisen, Töpfereien, Bierstülzle usw.). Diese Ortsbesonderheiten sollten auch ortsspezifisch in einem eigenen Laden vertrieben werden.

These 8: Die Attraktivität der Fränkischen Schweiz für sportliche Aktivitäten im Sinne eines Aktivurlaubs bedeutet für die Natur eine besondere Gefährdung. Einrichtungen von vermehrten Tabuzonen zugunsten des Naturschutzes sind unbedingt vorzunehmen.

Die Fränkische Schweiz ist noch eine der wenigen Landschaften, wo das Klettern auf fast keinerlei Einschränkungen trifft. Auf der anderen Seite siedeln auf den Felsen Arten, die von europäischem Rang und hochgradig bedroht sind. Zugunsten des Naturschutzes wären wenigstens 20 % der Kletterfelsen unter Naturschutz zu stellen. Ähnliches gilt für das Kanuwandern. Durch unsachgemäßes Wandern werden die Krautbänke insbesondere der Wiesent zusammengefahren. Durch Ausweiten des Kanufahrens in die stillen Jahreszeiten hinein kommt es auch zu einer Bedrohung des Fischlaichs. Auch für die Wiesent sollten Tabuzonen errichtet werden, die mit dem Kanu nicht befahren werden dürfen! Überall, wo durch aktive Sportarten Schäden für die Natur hervorgerufen werden, müssen Grenzen vorgenommen werden.

Touristische Großprojekte, die im Zeichen der Sportförderung stehen, haben in der kleinstrukturierten Fränkischen Schweiz nichts verloren (Golfprojekt, Püttlachstausee).

These 9: Zielsetzung eines umweltverträglichen Fremdenverkehrs ist immer, zugleich die Erholungsqualität der Gäste und die Lebensqualität der Bewohner der Fränkischen Schweiz zu steigern.

Vorrangig werden von den Gästen Ruhe und Erholung in ihrem Urlaub gesucht sowie ein offener, freundlicher Kontakt zu den Bewohnern dieser Landschaft. Daneben besteht der starke Wunsch nach einer reichhaltigen, abwechslungsreichen Natur, die möglichst noch intakt ist. Diese Anliegen zu fördern, muss den Bewohnern der Fränkischen Schweiz selber sehr gelegen sein. So bedeutet die Verminderung des Verkehrs in der Fränkischen Schweiz nicht nur eine Verminderung des Lärms, sondern auch eine Steigerung der Erholungsqualität für Gäste wie eben auch der Lebensqualität der Bewohner/innen. Ebenso würde die Extensivierung der Landwirtschaft nicht nur eine Verbesserung des Trinkwassers und der Gewässerqualität mit sich bringen, sondern auch den Artenreichtum der Landschaft wieder erhöhen. Die regionale Vermarktung dieser Produkte sichert die Existenz der Landwirte und bedeutet eine Qualitätssteigerung des Konsums für die Menschen, die in der Fränkischen Schweiz leben. Eine Renaturierung altflurbereinigter Gebiete würde das Landschaftsbild der Fränkischen Schweiz bereichern und wieder zur Erhöhung des Artenreichtums beitragen - man sieht, wie eine Steigerung des Landschaftsreizes den Erholungswert und das Lebensgefühl für Gäste und Bewohner dieser Landschaft verbessern würde.

These 10: Wenn die Fränkische Schweiz ihre Naturgrundlagen nicht gefährden und einen sozialverträglichen Fremdenverkehr anpeilen will, der die Wirtschaftskraft dieser Region breit fördert, dann muss sie eine spezielle Zielgruppe von Touristen suchen und bewerben.

Es sollten Besucher sein, die die Naturvielfalt suchen, sie aber auch durch ihr Verhalten nicht gefährden, also den Erhalt einer intakten Umwelt in der Fränkischen Schweiz als Zielsetzung ausdrücklich anerkennen. Ihre Anreise möglichst ohne Pkw sollte angestrebt werden. Den Besuchern (und Bewohner/innen) fehlen bisher ausreichend Angebote, die musisch- künstlerische und meditative Wünsche befriedigen. Morschreuth bildet hier eine Ausnahme. Die Einführung von Erholungssuchenden in einfache handwerklich- künstlerische Tätigkeiten könnte im Zeitalter der anonymen Produktion für so manche Besucher/innen sehr interessant sein. All diese Angebote gewinnen an Erholungsqualität, wenn gleichzeitig ein intensiver Kontakt zur einheimischen Bevölkerung wie zu der erholsamen Naturlandschaft möglich ist. Für Erholung dieser Art brauchen die Menschen Zeit - die Bewohner/innen der Fränkischen Schweiz legen Wert auf Erholungssuchende, die sich Zeit in dieser Landschaft lassen! Die Voraussetzungen, dass dieses Ziel erreicht werden kann, sind in den vorigen 9 Thesen genannt worden. Ich bin der festen Überzeugung, dass bei den grundsätzlichen Problemen, die Tourismus immer für eine Region mit sich bringen wird, nur eine Entwicklung, die ausdrücklich obige Thesen mit aufnimmt, langfristig die Erholungsqualität der Fränkischen Schweiz erhalten wird. Anderenfalls wird es genau dahin kommen, was mit dem Massentourismus in der Regel verbunden ist: Er zerstört genau das, was er sucht und hinterlässt landschaftlich und in ihrer Lebensqualität verarmte Regionen. Davor möge die Fränkische Schweiz behütet bleiben.

Vorgetragen von Dr. Klaus-Dieter Preis (Gößweinstein) anlässlich der Diskussionsrunde zum Thema >sanften Tourismus< am Tag der Regionen in Aufsess, im Oktober 1999 im Gasthof Rothenbach.

Reinhard

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