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Der Tourismus in der Fränkischen Schweiz

Ursprünge – Gegenwart – Zukunftsperspektiven. Ein Sachstandsbericht aus Sicht einer kommunalen Touristinformation

Von Dipl.-Geograph Thomas Bernard, Leiter des Verkehrsbüros in Pottenstein

Anfänge:

Die Anfänge des Tourismus in der Urlaubsregion Fränkische Schweiz reichen bis in die Zeit der Romantik zurück. Im ausgehenden 18. Jahrhundert war die Gegend, damals noch als „Muggendorfer Gebirg“ bezeichnet, beliebtes, da noch unbekanntes, Forschungsgebiet für Naturwissenschaftler verschiedenster Disziplinen. Vor allem die natürlichen Gegebenheiten der Mittelgebirgslandschaft lockten zahlreiche Forscher in die Region, die von der Karstlandschaft und all ihren Erscheinungen fasziniert wurden und durch zahlreiche Schriften und Veröffentlichungen internationales Interesse hervorriefen. Großes Aufsehen erregten die vielen mystischen Höhlen, ihre Entwicklungsgeschichte, archäologisch bedeutsame Funde und damit verbunden die Lebensweise unserer Vorfahren in älteren Zeitepochen. Überhaupt identifizierte sich der Wissenschaftler und der neugierige Hobbyforscher noch nicht mit touristischen Einrichtungen, die damals freilich auch noch nicht vorhanden waren, sondern mit der Fränkischen Schweiz als einer der typischsten deutschen Mittelgebirgslandschaft – kleinstrukturiert, unübersichtlich, daher reizvoll und eben romantisch. Eine gehörige Portion Nationalbewusstsein spielte dabei in den Denkweisen eine wichtige Rolle.

Aus alten Reisebeschreibungen sind darüber hinaus weitere wichtige Voraussetzungen für die touristische Attraktivität, die bis heute anhält, herauszutesten. Vor allem Studenten aus großen deutschen Städten, die an einige damals bereits vorhandenen fränkischen Universitäten nicht nur Naturwissenschaften, aber auch Maler und Dichter, hielten bis ins Detail genau das fest, was die Urlauber noch heute in die Fränkische Schweiz lockt: fränkische Lebensart, Ehrlichkeit und Bescheidenheit der einheimischen Bevölkerung, herzliche Gastfreundschaft, unglaublich reichhaltige und v.a. preiswerte fränkische Küche, die landwirtschaftlich geprägte Umgebung, was zur Erhaltung des Naturraumes Fränkische Schweiz bis heute die wichtigste Voraussetzung ist und nicht zuletzt der Wunsch, die Vielschichtigkeit der Region öfters, regelmäßig und immer wieder kennen zu lernen – eine Tatsache, die sich bis heute in der großen Anzahl der Stammgäste in der Fränkischen Schweiz widerspiegelt, wenn auch aufgrund der sich in den letzten Jahren geänderten Urlaubsansprüche der Gäste mit stetig abnehmender Tendenz.

Das Reisen im 18. Und 19. Jahrhundert war oft anstrengend und zeitraubend, der Mensch war viel weniger mobil als in der Folgezeit. Durch die Zunehmende Mobilität etwa ab der Zeit der „Sommerfrische“ Anfang unseres Jahrhunderts, die per Bus und Bahn aus größeren Städten, z.B. Berlin anreisten, stiegen die Gästezahlen sprunghaft, ein Massentourismus wie im Alpenraum hat sich aber bis heute nicht entwickelt, was künftig sich durchaus positiv auswirken wird. Die Fränkische Schweiz ist und bleibt ein kleiner Geheimtipp für Erholungssuchende. Da die Fränkische Schweiz für Bahnreisende nicht überall gut erreichbar war bzw. ist (heute sind die beiden wichtigsten Bahnhöfe Ebermannstadt und Pegnitz), gab es die ersten Übernachtungsangebote und Einrichtungen für Urlauber in den bis heute bedeutendsten Fremdenverkehrsorten Pottenstein, Tüchersfeld, Gößweinstein, Behringersmühle, Muggendorf, Streitberg und Waischenfeld, die allesamt im inneren Bereich der Fränkischen Schweiz zu finden sind. Einige Entwicklungen und Trends im Nachfrageverhalten der Gäste und Versuche der einzelnen Orte, daraufhin Aktivitäten zu entwickeln auch im Hinblick auf die Tourismusarbeit in der Region oder zumindest zu reagieren, erscheinen mir besonders erwähnenswert. Vor allem die Entwicklung des Tourismus in der Fränkischen Schweiz und im innerdeutschen Reiseverkehr überhaupt seit dem zweiten Weltkrieg, nach Einsetzen des Individualreiseverkehrs per PKW (heute kommen ca. 97% aller Urlauber mit diesem Verkehrsmittel!) zeigen erhebliche und auch immer schneller werdende Veränderungen des touristischen Angebotes und somit in der Veränderung des nach wie vor größten Kapitals, der Naturlandschaft, was nicht in jedem Fall positiv zu bewerten ist.

1. Die Aufenthaltsdauer wird immer kürzer. Die Zeiten, wo Urlaubsgäste vierzehn Tage und länger ihren Urlaubsort in der Fränkischen Schweiz verbrachten, sind leider vorbei. In klassischen Urlaubsorten wie Pottenstein lag der durchschnittliche Aufenthalt 1998 bereits unter 5 Tagen. Dazu kommt noch, dass die Buchungen immer kurzfristiger werden und immer mehr wetterabhängig getätigt werden. An verlängerten Wochenenden wie z.B. an Ostern entscheidet dieses Buchungsverhalten bereits über eine positive oder negative Jahresstatistik. Dieser Trend ist besonders extrem bei den Hotels, Gasthöfen und Privatzimmervermietern zu beobachten, in den „ruhigen“ Zeiten des Jahres auch bei den Ferienwohnungen.

2. Die Fränkische Schweiz entwickelt sich vom Haupturlaubsgebiet hin zur klassischen Zweit- und Dritturlaubsregion. Die Entwicklung der Aufenthaltsdauer belegt auch die Tatsache, dass die Fränkische Schweiz wie alle deutsche Mittelgebirgsregionen kaum mehr für den wohlverdienten Haupturlaub der deutschen Urlauber interessant zu sein scheint. Dies gilt vor allem für die Generationen, die es gewohnt sind, mobil für einen Auslandsurlaub zu sein und bereit sind, für schönes Wetter und einen – oft von der Werbung suggerierten – echten Erholungsurlaub den größten Teil der Urlaubskasse auszugeben. Auch wenn bei vielen Deutschen das Urlaubsbudget immer knapper wird, am Haupturlaub wird erfahrungsgemäß zuletzt gespart. Ausland wird in Verbindung gebracht mit Erlebnis, Abenteuer, Erholung und preiswertem Urlaub, Deutschland mit „Servicewüste“, teuer, bekannt, wetterunbeständig und deshalb weniger interessant. Eine Trendwende wird wohl nicht zu erreichen sein, was jedoch für attraktive und aktive innerdeutsche Reisegebiete kein Grund zur Resignation sein darf sondern Ansporn genug, die Reisenden vom Gegenteil des allgemeinen Images eines Deutschlandurlaubs zu überzeugen.

3. Der Rückgang der Landwirtschaft fordert die Landschaftspflegemaßnahmen um so mehr. Die Ursachen des Rückgangs der Landwirtschaft sind sehr vielschichtig und gerade in einer Region wie der Fränkischen Schweiz hinlänglich bekannt. Dass sich diese Entwicklung für die Urlaubslandschaften, deren touristisches Kapital in erster Linie die Natur- und Kulturlandschaft ist, besonders negativ auswirkt, liegt ebenfalls auf der Hand. Devise muss sein, die Landschaft nicht aufzulassen, sondern mit geeigneten Landschaftspflegemaßnahmen dem entgegenzuwirken. In diesem Punkt ist die Fränkische Schweiz aktiver als manch andere Regionen. Wo gibt es sonst intensivere Bemühungen, die Landwirte aktiv in den Erhaltungsprozess mit einzubinden z.B. durch Direktvermarktung, Vermarktung heimischer Produkte, das Mitwirken in Pflegemaßnahmen (Entbuschung, Felsfreilegung, Pflege der Trockenrasen und Talauen, Anbau und Abnahme von Braugerste usw.). Institutionen wie der Verein Naturpark Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst, die Fränkische Schweiz Vereine, die Vereine DU und Anbietergemeinschaften geben personelle, informelle, materielle und finanzielle Unterstützung und koordinieren Landschaftspflegemaßnahmen. Gerade der Punkt zeigt auch auf, dass sich in der Fränkischen Schweiz nicht alles um den Tourismus dreht und drehen darf (was gerne als Hauptargument angeführt wird !), sondern dass es wichtiger ist, die Lebensqualität für die einheimische Bevölkerung zu erhalten und zu verbessern. Der sensible Urlauber merkt schnell, ob sich Einheimische mit ihrer Umgebung identifizieren und daher sein Urlaubsaufenthalt lohnenswert ist oder nicht.

4. Der Tages- und Gruppenausflugstourismus entwickelt sich mehr und mehr zum zweiten Standbein der Tourismuswirtschaft in der Fränkischen Schweiz. Der Übernachtungstourismus galt lange Zeit als einer der wichtigsten wirtschaftlichen Tourismusfaktoren der Fränkischen Schweiz. Seine intakte Landschaft (Felsen, Täler, Hochflächen...), viele attraktive, gern besuchte, touristische Einrichtungen (Burgen, Höhlen, Museen, Bäder, Freizeitparks, Wildgehege, Rodelbahn, gemütliche Orte mit attraktiven Ortsbildern usw.), eine intakte Gastronomie, die höchste Brauereidichte der Welt und die hervorragende Lage zwischen den städtischen Zentren Nürnberg- Fürth- Erlangen- Forchheim- Bamberg- Bayreuth lassen immer mehr den Tagesausflugsverkehr vom Umsatz her betrachtet zu einem Haupterwerbszweig werden. Besonders ist dies z.B. in Pottenstein mit seiner Erlebnismeile zu beobachten. Auf wenigen Kilometern reihen sich die Teufelshöhle, der Schöngrundsee mit Bootsbetrieb, die Sommerrodelbahn, das in Aufbau befindliche Felsenbad, die 1000-jährige Burg, das Freizeitbad „Juramar“, die historische Altstadt und das Fränkische Schweiz Museum im Felsendorf Tüchersfeld aneinander. Alle Einrichtungen sind mit Fuß- und Fahrradwegen ideal verbunden und von der Kapazität so ausgelegt, dass selbst zu „Stoßzeiten“ an schönen Wochenenden nur selten der Eindruck eines Massentourismus entsteht. Nach Berechnungen des Verkehrsbüros statten neben den Tagesgästen zunehmend auch Reisegruppen und über 90% aller Übernachtungsgäste innerhalb der Fränkischen Schweiz dem Bereich um Pottenstein mindestens einmal einen Besuch ab.

5. Das Angebot an Ferienwohnungen ist in den letzten Jahren auf Kosten des Fremdenzimmerangebotes aufgrund des allgemeinen Nachfrageverhaltens der Gäste gestiegen und steigt immer noch. 

6. Zielgruppengerechte Angebote sowie Pauschalarrangements werden immer wichtiger. Gästebefragungen in den zurückliegenden Jahren zeigen einen weiteren Trend : der klassischen Urlauber, der zum Wandern und Erholen die Fränkische Schweiz besucht, macht immer noch die größte Besuchsgruppe aus. Andere Zielgruppen, z.B. „Aktivurlauber“, sportlich, kulturell oder kulinarisch interessierte Gäste nehmen jedoch zu, auch und gerade deshalb, weil jüngere Generationen „nachwachsen“ und genauere Vorstellungen von ihren Urlaubsaktivitäten haben Daher ist es bereits heute unbedingt notwendig, für alle Besuchergruppen geeignetes Informationsmaterial bereitzuhalten, was die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz mit ihren zahlreichen Sonderprospekten oder einige Verkehrsämter der Fränkischen Schweiz mit Erfolg praktizieren. Es gibt nichts peinlicheres, als dem fragenden Gast zu sagen, man wisse nicht Bescheid. Es sollte der Slogan „Geht nicht gibt’s nicht“ zutreffen. Die zielgruppenorientierten Angebote können natürlich auch nur dann zufriedenstellend weitergegeben werden, wenn der Gast in ein Beratungsgespräch verwickelt wird, was natürlich voraussetzt, dass Verkehrsämter personell ausreichend ausgestattet sind. Gerade die Wichtigkeit dieser Tatsache wird in der Fränkischen Schweiz nicht in jeder Kommune erkannt, über eine negative Entwicklung im lokalen Tourismus braucht man sich dann natürlich auch nicht wundern!

7. Die Ansprüche der Gäste steigen zunehmend, eine professionelle Touristinformation und professionelle Leistungsanbieter sind Voraussetzung. Um die Gästenachfrage auch künftig befriedigen zu können ist neben einer professionellen Arbeit in den Verkehrsämtern auch eine Professionalität und optimale Kundenfreundlichkeit aller touristischen Leistungsanbieter bis hin zu den touristischen Randbereichen Voraussetzung. Touristische Leistungsanbieter sind alle Einrichtungen, Betriebe etc., die mit Gästen unmittelbar in Berührung kommen oder, positiv ausgedrückt, den Umgang mit den Gästen suchen. Hierzu zählen z.B. Hotels, Gasthöfe, Vermieter, Sehenswürdigkeiten, Busunternehmer und weitere sogenannte primäre touristische Dienstleistungsbetriebe. Aber auch Lebensmittelmärkte, Bäckereien, Metzgereien, Andenkensgeschäfte, kulturelle Vereine und Einrichtungen usw. kommen zumindest am Rande, also teilweise mit Touristen in Berührung. Im Idealfall sollte jeder in der Fränkischen Schweiz erkennen und akzeptieren, dass er Gradmesser für den wichtigsten Wirtschaftsfaktor, dem Tourismus, in der Fränkischen Schweiz sein kann, die Wirtschaftskraft der Region also vielleicht direkt beeinflusst.

8. Der Urlauber zieht immer mehr Parallelen vom Auslands-Pauschal-Tourismus zum Urlaub in der Fränkischen Schweiz => maßgeschneiderte Angebote für jeden einzelnen; schnelle, einfache und zuverlässige Buchung von Angeboten oder Angebotspaketen. Folge: Das Verkehrsamt tritt immer mehr als Veranstalter auf => rechtliche Probleme? Dieser „Modetrend“ gipfelt mittlerweile darin, dass immer mehr Urlauber, und dies gilt nicht nur für die Fränkische Schweiz, versuchen, Regressansprüche etwa wegen „vergangener Urlaubsfreuden“, Defizite in Pension oder Übernachtung usw. geltend zu machen mit der Absicht, so das Urlaubsbudget zu schonen. Obwohl im BGB §651 versuchsweise geregelt, gibt es unzählige Gerichtsurteile zu Schadensersatzregelungen im Auslands- und (aus unserer Sicht leider) Inlandsurlaub. Was für die Flugreise gilt, muss auch für den Deutschlandurlaub gelten – eine Denkweise, die teilweise nur schwer nachzuvollziehen ist und vom Denkansatz häufig auch falsch ist. Folge ist, dass sich Tourismusstellen und Vermieter mit diesen aufkommenden Problemen auseinandersetzen müssen und auf Beschwerden richtig reagieren können. Neben der persönliche Weiterbildung auf diesem Gebiet wären allgemeine Informationsveranstaltungen zum Thema Umgang mit Beschwerden gute Ansätze zur Problembewältigung. Der Gast zieht aber auch durchaus positive Parallelen. So wird es wichtiger werden, maßgeschneiderte, zielgruppenorientierte und individuelle Angebote in der Urlaubsregion bereitzuhalten und diese Angebote schnell , bequem. Einfach und zuverlässig buchbar zu machen. Neuere Medien wie EDV und Internet werden künftig wesentlich dazu beitragen, was bedeutet, dass Tourismuseinrichtungen auch hier professionell arbeiten und den künftigen technischen Einrichtungen nicht negativ gegenüberstehen sollten. Allerdings ist eine Folge davon auch die Tatsache, dass z.B. Verkehrsämter als Veranstalter auftreten werden, verbunden mit all den Rechten und Pflichten, die in allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB´s) festgehalten und auch eingehalten werden müssen. Auch in dieser Richtung könnten Informationsfachveranstaltungen eventuelle Informationslücken rasch decken.

9. Die Individualität der Fränkischen Schweiz in all ihren Facetten muss nicht nur erhalten, sondern auch angeboten werden, was die Zukunftsaussichten in der künftigen touristischen Entwicklung der Region verbessert (fränkische Küche, höchste Brauereidichte, Kultur, kirchl. u. weltl. Brauchtum, fränkische Gastlichkeit...). Dass die Fränkische Schweiz idyllisch und attraktiv ist, wissen Einheimische wie Urlaubsgäste zu schätzen. Nicht umsonst war dies der Hauptgrund für die Tourismusentwicklung der Region seit der Romantik. Trotz dieser aus touristischer Sicht idealen Voraussetzungen wird es künftig verstärkt notwendig sein, die Identität und Individualität der Fränkischen Schweiz noch ausdrücklich hervorzuheben und anzubieten. Ohne in Übertreibung oder Unwahrheiten fallen zu müssen – folgende Tatsachen sprechen sich bei Gästen herum:
Fränkische Schweiz, das ist:

- die größte Brauereidichte der Welt

- eine der preisgünstigsten Reiseregionen Deutschlands

- gelebtes und gepflegtes kirchliches und weltliches Brauchtum

- fränkisch gemütlich => Erholung für Leib und Seele ist garantiert

- zentral und ruhig => gut erreichbar und lohnenswert

Viele weitere, richtige Slogans wären noch anzuführen. Selbstbewusstsein und mehr Offensive in der Tourismuswerbung wird künftig, trotz stagnierender oder sinkender Werbeetats, immer wichtiger. Das entscheidende Werbeleitbild muss aber die Ehrlichkeit bleiben, der Gast muss wissen, was ihn in der Fränkisch Schweiz erwartet.

10. Eine Kooperation und Vernetzung auf politischer, kommunaler und touristischer Ebene wird immer mehr zur Voraussetzung, um die Attraktivität der Fränkischen Schweiz den Urlaubsgästen schmackhaft zu machen. Intensive Zusammenarbeit landkreis- und gemeindeübergreifend in Fragen der Tourismusentwicklung ist Voraussetzung für einen funktionierenden Tourismus einer Region. Dass die Situation in der Fränkischen Schweiz mit fünf beteiligten Landkreisen (BT, FO, BA, KU, LIF) und vielen größeren und kleinen Kommunen nicht immer einfach ist, liegt auf der Hand. Verbohrter Lokalpatriotismus ist in dieser Hinsicht fehl am Platz. Wie eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit fruchtbar und zur Steigerung der Urlaubsregion verlaufen kann, zeigt z.B. das regelmäßige Zusammentreffen der Verkehrsämter der Fränkischen Schweiz. Die Touristiker lernen sich nicht nur persönlich näher kennen, sie gewinnen auch intensiveren Einblick in die Tourismusentwicklungen der verschiedenen Gemeinden. Ergebnisse sind z.B. die Etablierung eines saisonbedingten (Mai – Oktober), Region bezogenen und funktionierenden Ausflugsfahrtenprogrammes, diverse Wanderbroschüren (für die ganze Fränkische Schweiz), die Broschüre „Ruhetage der Gasthöfe in der Fränkischen Schweiz“ und einiges mehr. Dass die Treffen den Titel „Verkehrsämterstammtisch“ tragen, liegt durchaus in der Absicht der Beteiligten. Der gesellige Charakter steht nach wie vor im Vordergrund.

11. Neben einer fundierten touristischen Ausbildung und der regelmäßigen Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen ist die Identifikation des im Tourismus Beschäftigten mit „unserer Fränkischen Schweiz“ die wichtigste Voraussetzung. Auf die Frage des Gastes „warum soll ich hier Urlaub machen ?“ kann die Antwort vom Touristiker kommen „weil ich hier gerne wohne, wo andere sich erholen !“. Um Entwicklungen im Tourismus erfahren und erkennen zu können, ist eine touristische Ausbildung und persönliches Engagement in Form von Weiterbildungsmaßnahmen zwar nicht in jedem Fall unbedingt Voraussetzung, grundsätzlich aber von Vorteil und wünschenswert. Gerade in einer bodenständigen Gegend wie der Fränkischen Schweiz ist ein zweiter Faktor aber mindestens genauso relevant, oft sogar noch wichtiger: die persönliche Identifizierung mit unserer „Fränkischen“. Der Gast fordert neben all der Professionalität, die er von touristischen Leistungsanbietern erwarten darf, immer mehr die Freude und den Spaß derer daran, ihm einen Dienst erweisen zu können. Auf die Frage, warum er gerade in der Fränkischen Schweiz seinen Urlaub verbringen sollte, möchte er neben attraktiven Angeboten und intakter Landschaft auch spüren, dass der Touristiker gerne in einer Region lebt und arbeitet, wo gerade er, der Gast, sich erholen und etwas erleben kann.

12. Investitionen im Tourismusbereich müssen koordiniert, regional sinnvoll verteilt sein und mittel- oder langfristigen Charakter haben. Zunächst ist es wichtig, sich bewusst zu werden, welche Gästegruppen mit welchen Einrichtungen angesprochen werden oder werden sollen. Beim Ausbau oder Umstrukturierung der touristischen Infrastruktur, welche ständig und immer weiter notwendig sind, ist eine Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Region notwendig. Die räumliche Verteilung ergibt sich häufig aus den natürlichen Gegebenheiten und/oder der Finanzierungsbereitschaft, jedoch weder eine extreme Zentralisierung als auch eine sichtbare Dezentralisierung sind akzeptable Lösungsansätze. Nach einer eingehenden Bedarfsermittlung muss jedoch die Frage nach der Rentabilität entscheidend sein. Bereits bei den Planungen sollte der Faktor „Zeit“ berücksichtigt werden. Zwar die meisten, bei weitem nicht alle Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung oder – Erhaltung der Fränkischen Schweiz haben langfristigen Charakter.

13. Flexibilität in allen touristischen Bereichen wird in Zukunft Voraussetzung für einen erfolgreichen, konkurrenzfähigen Tourismus sein. Auf Nachfragetrends muss schnellstmöglichst reagiert werden, besser ist jedoch dann, wenn der Trend erkennbar wird, in der Region aktiv das Nachfrageverhalten zu beeinflussen. Dabei kommt der Beobachtung des innerdeutschen Tourismusmarktes die entscheidende Rolle zu. Von der Vorstellung, dass Tourismusarbeit deswegen Jahr für Jahr immer ähnlich ablaufen muss, weil es schon immer so war, sollten sich die Tourismusverantwortlichen immer mehr lösen. Viele Einrichtungen und Veranstaltungen oder ähnliches haben sich bewährt, haben Tradition und müssen daher beibehalten werden. Ein innovatives Denken, wie sich auf die sich ändernde Nachfrage der Gäste oder deren Urlaubsansprüche einzustellen ist, was die Urlaubergruppen künftig erwarten, wird zur wichtigen Voraussetzung. Jeder Ort, jede Gemeinde, jede Region hat ein breites Angebotsspektrum und zugleich eine bevorzugte Zielgruppe (Wanderer, Familien, Sportler usw.). Der Gast muss in der Angebotspalette seines Urlaubsortes spüren, dass man sich um ihn kümmert. Dabei ist es keinesfalls notwendig, dass alle Tourismusorte alle Angebote am Ort vorhalten, vielmehr ist eine sinnvolle Kombination aller Tourismusangebote in der Region Fränkische Schweiz notwendig; der Gast ist, was nicht vergessen werden darf, ungemein mobil und nimmt für ein schönes Erlebnis nach wie vor Fahrtstrecken in Kauf. Kommunale oder Landkreisgrenzen sind dem Gast relativ egal, meistens kennt er solche gar nicht. Je besser die Zusammenarbeit in der Region, desto konkurrenzfähiger wird der Tourismus gegenüber anderen deutschen und ausländischen Urlaubsregionen!

14. Beiträge „von außen“ wie Gästebefragungen, Zulassungs- oder Diplomarbeiten und die Zusammenarbeit mit Tourismusakademien und Universitäten dienen zur Ergründung von Defiziten im touristischen Angebot der Region und können Lösungsansätze aufzeigen („Über den eigenen Tellerrand hinausschauen“!).Um zu erfahren, was der Gast von der Urlaubsregion Fränkische Schweiz oder von einem Urlaubsort erwartet, ist ein sinnvolles Mittel, ihm direkt nach seinen Wünschen zu fragen. Dabei ist jede Kritik, gut wie schlecht, positiv zu bewerten. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass sich der Gast an seinem Urlaubsort ernst genommen fühlt, dass er „König“ ist. Anregungen von außen sind jedenfalls höher zu bewerten als die Beobachtungen der ortsansässigen und ortskundigen Mitarbeiter im Tourismus. Der Gast ist auch gerne bereit, seine Urlaubserfahrungen einer vertrauensvollen Stelle, z.B. einem Verkehrsamt mitzuteilen. Die Ausgabe von geeigneten Fragebögen, die in sich schlüssig gegliedert und nicht zu umfangreich sind, haben sich als geeignetes Mittel herausgestellt. Ein kleines Gewinnspiel, bei dem alle, die sich an der Fragebogenaktion beteiligt haben, Kleinigkeiten erlosen können, motiviert zusätzlich und ist auch ein Mittel, Gäste an den Ort, wo sie bereits Ihren Urlaub verbracht haben, zu binden. Weitere Möglichkeiten, von neutraler Seite die Tourismusarbeit eines Ortes und einer Region näher beleuchten zu lassen und Verbesserungsvorschläge zu bekommen, können z.B. in der Zusammenarbeit mit Universitäten oder Schulen liegen. Fach-, Zulassung- oder Diplomarbeiten, verbunden mit dem Angebot, Praktikanten auszubilden (was übrigens in jedem Verkehrsamt möglich ist!) fordern zwar ein gewisses Engagement der Mitarbeiter in touristischen Einrichtungen, z.B. die Frage, welches Thema geeignet für eine derartige Arbeit ist oder wie der Autor mit Daten und Informationen zu versorgen ist, sollten aber kein Grund dafür sein, diese kostenlose (!) Ideenbörse als Entwicklungsvorschläge für eine künftige touristische Entwicklung zu nutzen.

15. Das Verkehrsamt wird immer mehr zu einem kommunalen Dienstleistungsbetrieb, der alle Anstrengungen unternehmen muss, einen für den Gast akzeptablen Kompromiss zwischen wirtschaftlichem Arbeiten und optimaler Gästebetreuung herzustellen. Dabei ist die Imagebildung nach innen, also die Akzeptanz dieser Einrichtung bei den ortsansässigen Leistungsträgern (Vermieter, Hoteliers, Gastronomen, Geschäftsleute und Betreiber touristischer Attraktionen) ebenso wichtig wie die Imagebildung des Ortes/der Urlaubsregion nach außen, also für potentielle Gäste oder Gästegruppen. Alle touristische Leistungsanbieter sitzen „zwischen den Stühlen“. Einerseits müssen sie ihre eigentliche Aufgabe, das Image eines Ortes/einer Region für die Gäste nach außen zu pflegen, wahrnehmen, andererseits kann eine effektive Tourismusarbeit nur dann funktionieren, wenn alle Leistungsanbieter, vom Verkehrsamt über die touristischen Einrichtungen, die Vermieter, Gasthöfe bis hin zum Einzelhandel zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit funktioniert um so besser, je ehrlicher der Umgang der Beteiligten untereinander ist und je mehr das regelmäßige Gespräch gesucht wird. Es sollte sichergestellt sein, dass alle Leistungsanbieter die Wichtigkeit ihres Beitrages für einen funktionierenden Tourismus einer Region richtig einschätzen und gegenseitig akzeptieren.

16. Die Urlaubssaison entzerrt sich. Urlauber halten sich nicht mehr an die klassischen Urlaubsziele (Mai – August), sondern besuchen die Region das ganze Jahr und setzen eine ganzjährige funktionierende touristische Infrastruktur voraus. Dieser Trend wird sich in Zukunft fortsetzen. Zwar sind die Monate Mai bis September nach wie vor die klassischen Urlaubsmonate in der Fränkischen Schweiz, es wird jedoch für die Gäste immer interessanter, fernab vom alltäglichen Trubel auch in den traditionell ruhigeren Zeiten Januar bis April oder Oktober und November hier ihren Urlaub zu verbringen. Um dieser Urlaubergruppe, die prozentual immer mehr steigt, einen angenehmen und erlebnisreichen Urlaub anbieten zu können, ist es Voraussetzung, dass die Vermieter der Region ihre Zimmer und Wohnungen möglichst ganzjährig anbieten. Die Freizeit- und Erholungseinrichtungen können zwar nicht rund um die Uhr geöffnet sein, es muss jedoch gewährleistet werden, dass z.B. im November die bekanntesten Sehenswürdigkeiten zumindest zu bestimmten Zeiten zugänglich sind. Hier ist eine bessere Absprache von ähnlichen Einrichtungen, z.B. Burgen oder Schauhöhlen unbedingt notwendig. Ideal wäre es, wenn jedes Verkehrsamt der Fränkischen Schweiz zu jeder Jahreszeit das gesamte touristische Angebot der Fränkischen Schweiz kennen würde und seinen Gästen nach Bedarf auch weiter empfiehlt – der Gast setzt diese Tatsache als selbstverständlich voraus!

17. Die deutsche Wiedervereinigung stellt nach wie vor hohe Anforderungen v.a. an die deutschen Mittelgebirge, der Konkurrenzdruck ist gewachsen, die Nachfrage beginnt sich allmählich auf einem erreichten Niveau einzupendeln. Von neugierigen Urlaubsgästen (v.a. aus den östlichen Bundesländern) wurde ein geringer Prozentsatz zu Stammgästen. Gleiches gilt für den Ausflugsverkehr. Dass durch die Grenzöffnung 1989 der Konkurrenzdruck gerade in den deutschen 
Mittelgebirgsregionen enorm gewachsen ist, belegt nicht nur die prozentuale Verteilung der Urlaubsgäste auf diese Regionen sondern auch die persönliche Beobachtung aller im Tourismus Beschäftigten. Nach einem Besucherboom, festzustellen sowohl an der Entwicklung der Übernachtungszahlen als auch an den Besucherzahlen z.B. der Teufelshöhle trat dann ein Rückgang, der freilich langsamer vonstatten ging, ein, als der erste Neugiereffekt von Reisenden aus den neuen Bundesländern befriedigt war. Mittlerweile stellt die Besuchergruppe aus den östlichen Bundesländern eine feste Größe in allen deutschen Mittelgebirgsregionen dar. Wie die künftige Entwicklung zu beurteilen ist bzw. inwieweit die Grenzöffnung sich in den nächsten Jahren immer noch auf die Besucherzahlen in der Fränkischen Schweiz auswirken wird, ist schwer zu sagen. Eins ist jedoch festzustellen: solange die Fränkische Schweiz an ihrer Identität festhält und alles dafür tut, diese zu erhalten, wiederherzustellen und auch an die Öffentlichkeit zu bringen, braucht man sich um den Stellenwert Tourismus und um die künftige Tourismusentwicklung dieser idyllischen, kleinstrukturierten und liebenswerten Urlaubsregion keine großen Sorgen zu machen. Auch hier ist der optimale Kompromiss zwischen Professionalität in der Tourismusarbeit und Bodenständigkeit der im Tourismus Beschäftigten künftig von entscheidender Bedeutung. 

 Pottenstein, im September 1999.

Reinhard

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