Willkommen auf der Homepage von Marga Neubauer und Reinhard Löwisch

Marga

Schule
Privat
Nankendorf

Unsere Krippe

Links
(c) 1998-2014
Home
Impressum

Nach oben Moderner Tourismus Familienurlaub in der Fränkischen Schweiz Fremdenverkehr anno 1929 Fremdenverkehr in Waischenfeld Gastlichkeit als Dienstleistung Geschichte der TZ Gutachten des Ideenkreis Online-Marketing Entstehung der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz Zum Tourismus (Bernard) Zehn Thesen

Ideen zur Weiterentwicklung des Fremdenverkehrs in der Fränkischen Schweiz

Autoren des "Ideenkreises Fränkische Schweiz":
Dr. Peter Jurczek, Privatdozent an der Uni Bayreuth
Wolfgang Kreiner, Leitender Redakteur des Fränkischen Tag in Bamberg
Andreas Pflaum, Hotelier des gleichnamigen Hotels in Pegnitz und
Hans Wolf, Diplom-Kaufmann aus Eggolsheim

 Herausgegeben in: Beiträge zur Kommunal- und Regionalentwicklung, Heft 1, Bayreuth 1992

Inhalt:

1. Einleitung
2. Bestandsaufnahme
3. Tourismusmarkt allgemein
4. Grundsatzentscheidungen notwendig
5. Aktivierungsvorschläge
6. Organisatorische Fragen

7. Zusammenfassung

1. Einleitung

Der Ideenkreis Fränkische Schweiz" geht auf einen Beschluss des Vorstandes des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz vom 17. September 1990 zurück. Ihm gehören an: Dr. Peter Jurczek, Bayreuth, Wolfgang Kreiner, Bamberg, Andreas Pflaum, Pegnitz, Hans Wolf, Bammersdorf. In Gesprächen mit dem Gebietsausschuss - Vorsitzenden, Landrat Otto Ammon, Forchheim, wurden die Erwartungen des Gebietsausschusses an den Ideenkreis diskutiert -und erweitert. Danach sollte der "Ideenkreis" zunächst neue, wirksame und natürlich kostengünstige Vorschläge für die Fränkische Schweiz- Werbung erarbeiten. Die Mitglieder des "ldeenkreises" haben bei der Erörterung der Aufgabenstellung sehr schnell erkannt, dass sie den gesamten Bereich der Fremdenverkehrspolitik umfassen muss.

Eine Verengung auf die Produktion neuer Werbeideen oder auch auf den Entwurf eines Werbekonzepts ist schon mittelfristig wenig hilfreich; sie gliche einer partiellen Symptombehandlung. In Anbetracht der Bedeutung des Fremdenverkehrs für die Fränkische Schweiz, der bereits bestehenden und sich verschärfenden Konkurrenzsituation und der Qualitätsansprüche des Tourismus der Zukunft ist eine radikale Bestandsaufnahme ebenso erforderlich wie eine Zielsetzung unerlässlich ist.

Wenn man es ernst meint mit dem Fremdenverkehr in unserer Heimat, dann darf man weder die schonungslose Analyse noch die politische Debatte scheuen. Der Fremdenverkehr allgemein verlangt heute, dass die Diskussion unter ganzheitlichen Aspekten  "vernetztes Denken" - geführt wird. Diesem Vorschlag entspricht dieses Papier. Es beschäftigt sich auch mit Organisationsfragen und auch mit dem, was ursprünglich vom "Ideenkreis" gefordert worden ist.

Dieses Arbeitsergebnis wird von den vier Mitgliedern des Ideenkreises getragen und am 29. April 1992 an den Vorsitzenden des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz, Landrat Otto Ammon übergeben.

2. Bestandsaufnahme

Welchen Fremdenverkehr besitzt die Fränkische Schweiz? Ohne einer exakten Analyse vorgreifen zu wollen, lassen sich acht Einzelpunkte herausarbeiten:

a) Sie zeichnet sich aus als Region vor allem für Familien- und Wanderurlaub.

b) Sie leidet unter der Diskrepanz, Naherholungsgebiet zu sein für die Groß- und Mittelstädte rundum und gleichzeitig Urlaubsgebiet für klassische Urlausbsgäste. Besonders an stark frequentierten Sommerwochenenden ergeben sich Spannungsfelder.

c) Sie hat eine zu kurze Saison zwischen Mai und Oktober, mit Metastasen um die Feiertage herum. Unverkennbar ist der Nachholbedarf in Vor- und Nachsaison.

d) Sie leidet unter Nachholbedarf in der gastronomischen Qualität.

e) Sie leidet unter Nachholbedarf in der inneren Werbung.

f) Die Identität der Landschaft ist verwaschen.

g) Sie leidet unter zerfasernden Eigeninitiativen.

h) Sie leidet unter einem weithin undurchsichtigen öffentlichen Personennahverkehr.

Diese acht Punkte (die man ergänzen und erläutern muss) sagen nicht mehr und nicht weniger, dass die Fränkische Schweiz eine (deutsche) Mittelgebirgslandschaft ist wie viele andere, insoweit verwechselbar.

Hauptaufgabe der Fremdenverkehrswerbung und der Regionalpolitik des ausgehenden Jahrtausends in der Fränkischen Schweiz muss es sein, ein Unterscheidungsprofil gegenüber der (wachsenden) Konkurrenz zu erarbeiten und daraus ein Konzept zu entwickeln, das gegen lokale Egoismen durchgesetzt werden muss. Hier ist die Unterstützung der lokalen und regionalen Entscheidungsträger unabdingbar.

So sollte die Fränkische Schweiz zurückfinden zu ihren Wurzeln, zur romantisch motivierten Landschaftserkenntnis vor über 150 Jahren. Fränkische Schweiz- Bewusstsein heute findet sich gerade im Tourismus nur noch reduziert auf die wirtschaftliche Notwendigkeit, wenigstens in Sachen überregionaler Werbung zusammenarbeiten zu müssen. Fränkische Schweiz- Bewusstsein muss aber tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankert werden - durch konzertierte Aktion relevanter Kräfte wie Fränkische Schweiz- Verein, Fränkische Schweiz- Museum, Gebietsausschuss, bedingt Naturparkverein etc.

Notwendig ist eine selbstkritische Bestandsaufnahme des bestehenden Fremdenverkehrs in der Fränkischen Schweiz. Sie allein kann die Grundlage für die weitere Arbeit sein. Es gilt, eine ganzheitliche Diagnose zu stellen, um die richtige Therapie zu finden.

3. Tourismusmarkt allgemein

Das schnelle Wachstum des Tourismus in der Vergangenheit, aber auch allgemeine gesellschaftliche Struktur- und Bewusstseinsänderungen haben zu einer differenzierten (und zunehmend kritischen) Tourismusbetrachtung geführt. Wo früher nur von wirtschaftlichem Nutzen die Rede war, wird heute über die Kosten und den Nutzen des Tourismus in Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft diskutiert. Gleiches gilt für die Belastbarkeit der Erholungslandschaft.

Die neue Einstellung gegenüber dem Tourismus ist einer der Schlüsselfaktoren für die zukünftige touristische Entwicklung. Von ihr wird ein grundlegender Wandel in der Tourismuspolitik ausgehen - weltweit.

Bei rücksichtslosen touristischen Erschließungen (entsprechende Vorhaben gab und gibt es in der Fränkischen Schweiz auch: Center-Park Waischenfeld, Püttlachspeicher, Rabenstein. Es besteht die Gefahr, dass die insgesamt positiven wirtschaftlichen Effekte durch die nachteiligen ökologischen und sozialen Implikationen aufgehoben oder sogar ins Gegenteil verkehrt werden. In vielen Feriengebieten macht sich deshalb ein wachsenden Selbstbewusstsein der einheimischen Bevölkerung bemerkbar, man spricht gar vom "Aufstand der Bereisten" (Jost Krippendorf).

Es gibt seit einigen Jahren den Slogan "Schweden den Schweden". In bekannten Tourismusorten der Schweiz wurden Großobjekte durch Volksabstimmungen zu Fall gebracht, auf ägäischen Inseln brennen Wälder, um die Eilande für Touristen unansehnlich zu machen. Die Kärntner halten nicht viel vom Tourismus und den Touristen. "Jeder zweite Kärntner verbindet mit den Gästen in Kärnten etwas Negatives", heißt es in einer jetzt erschienenen Studie, die die Kärntner Tourismusgesellschaft in Auftrag gegeben hat. Die Gäste kommen dabei nicht gut weg: Laut, lästig, rücksichtslos werden sie von vielen Einheimischen empfunden, "geizig, knausrig, sparsam". Ein Drittel der Befragten kommt zu dem Urteil, dass der Tourismus "unserer eigenen Kärntner Kultur geschadet hat, vier von fünf stellen fest, dass der Tourismus "viel Lärm und Verkehr gebracht hat, durch den Tourismus die Preise höher geworden sind", dass "der Tourismus die Umwelt und die Landschaft beeinträchtigt hat."

Es ist sicher: Langfristig wird es überall zu neuen Tourismuskonzepten kommen. Für die Fränkische Schweiz ist die Trendwende noch nicht zu spät: Die Landschaft muss ja nicht wieder warten, bis sie neuen Vorbildern folgt, sie kann selbst zum Vorbild werden. Entsprechende Ressourcen wären vorhanden. Man darf nicht verkennen, dass heute getroffene Entscheidungen wie der Ausbau der B 470 ihre fremdenverkehrswirksamen Folgen haben werden.

Der Tourist wird zunehmend mündiger. Sein Bedürfnis nach körperlicher Erholung (Schlafen, Essen, Trinken) wird zugunsten des Bedürfnisses nach Erholung der Gefühlswelt durch Aktivitäten und Erlebnisse, die in seinem heimischen Alltag nicht möglich sind, abnehmen. Der Tourist wird anspruchsvoller.

Er setzt die einwandfreie Befriedigung seiner elementaren Bedürfnisse - gute Verpflegung, bequeme Unterkunft - als selbstverständlich voraus. Er sucht vielmehr seine sozialen Bedürfnisse, den Kontakt zu anderen Menschen und Selbstverwirklichung durch Erlebnisse, schöpferische Tätigkeit, Bildung und Entdeckung. Mehr Individualität, mehr Gesundheits-, Umwelt-, Natur- und Kulturverständnis, immaterielle (!) Werte also weisen in Richtung einer stetigen Verfeinerung und Kultivierung der Erholungsbedürfnisse.

Alle einschlägigen Untersuchungen zum Fremdenverkehr der Zukunft setzen die Prioritäten Natur und intakte Umwelt, dokumentiert bereits 1985 in der Reiseanalyse des Studienkreises für Tourismus. Im Reisen steckt also die Sehnsucht nach einer besseren Welt. Wir suchen nach unverdorbener Natur, geselligen Lebensformen, gewachsener Kultur.

Dies zu fördern ist die Aufgabe der Tourismuspolitik. Es müssen aber alle Anstrengungen darauf verwendet werden, Formen des Tourismus zu finden und zu fördern, die einen möglichst hohen Nutzen für alle Beteiligten bringen, gleichzeitig aber Nachteile ökonomischer, ökologischer oder sozialer Art minimieren. Dies wäre sanfter Tourismus" (Robert Jungk).

Für die Zukunft genügt es nicht mehr, statistische expost- Analysen (z.B. Übernachtungszahlen) in die Zukunft zu verlängern. Zu viele Rahmenbedingungen des Lebensbereichs "Freizeit" verändern sich gegenwärtig. Vieles spricht dafür, dass wir in Zukunft mit einer Vergrößerung der Vielfalt von Gruppen und einer Spezialisierung der Nachfrage aus den verschiedenen individuellen Lebensstilen heraus rechnen müssen.

Mit der Wiedervereinigung sind mit Thüringer Wald und Vogtland, Erzgebirge und Elbsandsteingebirge (Sächsische Schweiz!), Mecklenburger Seenplatte und Ostseeküste traditionsreiche Feriengebiete auf den Markt gekommen - sie werden schnell aufholen, zunächst vom Neugiereffekt profitieren und schließlich, auch dank der beträchtlichen Förderung, infrastrukturell auf- bis überholen.

Nicht zu übersehen ist das enorme redaktionelle Interesse aller möglichen Publikationsorgane für die neuen Bundesländer und ihre Regionen. Kein Reisejournal, kein Reisemagazin, keine Reiseseite, kein Fernseh- oder Rundfunksender, der sich nicht eingehend diesen Gebieten widmet. Darüber ist nicht zu vergessen, dass sich das Neue Fränkische Seenland zu einem Magneten für Senioren, Freizeitsportler und die Naherholer insbesondere des Nürnberger Raumes gemausert hat. Bei der Analyse der wichtigsten Rahmenbedingungen, die auf Freizeit und Lebensstile einwirken, ergibt sich:

 - die deutsche Bevölkerung schrumpft in den nächsten zwanzig Jahren; d.h. die Nachfragepotentiale werden absolut geringer.

- die Überalterung der Bevölkerung bedeutet einen weitaus höheren Anteil von Senioren; sie werden anspruchsvoll und mobil sein.

- die Zahl der Jugendlichen geht drastisch zurück, der Nachfrageverlust könnte allerdings durch enorm hohe Freizeitmobilität ausgeglichen werden.

- die kleinen, kinderlosen Haushalte nehmen zu; sie sind zeitlich, finanziell und familiär unabhängig, aktiv und sehr mobil.

- die Ein-Kind-Familie setzt sich weiter durch; das verändert die Nachfrage nach Familien-Freizeit-Angeboten.

- das zunehmende Bildungsniveau bedeutet bessere Information über Freizeit- und Urlaubsmöglichkeiten, höhere Spezialisierung und mehr Aktivität.

- eine weiter aufgehende Einkommensschere führt zu mehr Billigurlaub und gleichzeitig zu mehr anspruchsvollem Tourismus.

- eine weitere Verstärkung der Pluralitäten von sozialen Gruppen hat kleinere und vielfältigere Nachfrage- und Zielgruppen zur Folge.

- die weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten eröffnet zeitliche Spielräume für mehr Ausflüge, mehrere Reisen, Wochenendtrips etc.

- bei fortschreitender Technisierung und Computerisierung der Arbeitsplätze wachsen die Ausgleichsbedürfnisse in der Natur.

- auch bei geringeren Einkommenszuwächsen erscheint die weitere Steigerung des Anteils der Freizeitausgaben am privaten Verbrauch wahrscheinlich, Kreditaufnahme für den Urlaub wird immer häufiger.

- ein relativ hoher Sockel von Arbeitslosen dämpft die gesamte touristische Nachfrage.

- mehr Dezentralisierung und Suburbanisierung in den Großstädten verstärkt das Verbringen der Freizeit im Stadtumland.

- ländliche Regionen bleiben Freizeit-, Erholungs- und Ausgleichsräume für die Städte, weil kurzfristig keine wesentlichen Verbesserungen der Wohnumfeldbedingungen in den Städten erfolgen.

- die Intensivierung der Telekommunikation setzt Mobilitätspotential für die Freizeit frei.

- es ist damit zu rechnen, dass die aus der protestantischen Ethik erwachsene arbeitsorientierte Lebenseinstellung" weiter abnimmt.

- dagegen hat sich eine "hedonistische Lebenseinstellung" entwickelt: Man arbeitet, um zu leben und seine Freizeit zu genießen.

- zunehmend beobachtbar ist eine ganzheitliche Lebensweise" (zumindest als Idealziel), d.h. immer mehr Menschen verbinden Arbeit, Lernen und Freizeit.

- Immobilität am Arbeitsplatz und Sesshaftigkeit am Wohnort korrespondieren weiter mit hoher Freizeit-Mobilität.

- der Personenwagen bleibt das Freizeitverkehrsmittel Nr. 1.

Eine einheitliche Entwicklungstendenz lässt sich aus den hier kurz angerissenen Prognosen nicht ablesen. Sehr deutlich ist jedoch, dass gegenwärtig eine besonders starke Triebfeder der zukünftigen Nachfrage nach Freizeit und Tourismus die Entwicklung des Bedürfnisses nach Natur ist. Entsprechend der Entwicklung des Leitbildes von "aktiver Freizeit" sind Natur und Landschaft nun weniger Raum zum Träumen, Betrachten und Schwärmen, sondern vor allem zum Erleben.

Das "Naturerlebnis" ist zwar ein diffuser Begriff, lässt sich aber in verschiedene, für die Fremdenverkehrspolitik praktikable Begriffe aufspalten. "Naturerlebnis" ist demnach ein Ausgleich von Defiziten: weg von räumlicher Enge, baulicher Dichte, sozialer Kontrolle, Gruppenzwängen. Ruhe statt Reizüberflutung. Flucht vor Umweltbelastungen, Unwirtlichkeit, Erlebnisarmut. Ausgleich von Gefühlen ökologischer Bedrohung.

Ausgleich städtischer Anonymität durch Identität. Konsum ländlicher und natürlicher Produkte und Dienstleistungen (Essen und Trinken, regionale Kultur, Wohnen). Neue Erlebnisse in der Natur (durch Sport, Bewegung, Beobachtungen). Natur für die Seele (als Therapie, als emotionale Entlastung). Natur erforschen und kennen lernen (ökologisches Interesse). Verwirklichung von alternativen Lebenskonzepten in naturnahen Lebensformen (Freizeitwohnen, Altersruhesitz).

Damit wird unmittelbar einsichtig, welche praktischen Konsequenzen eine solche Häufung der Reisegründe in Richtung der bewussten Naturerfahrung für die zukünftigen Fremdenverkehrsangebote haben muss: natürliche Umwelt und die Voraussetzungen für ihre Erfahrbarkeit und Erlebbarkeit werden wichtiger als Freizeiteinrichtungen mehr oder weniger urbanen Standards. Die Pflege der natürlichen lokalen Umwelt im Detail (Fauna, Flora, Wasser, Luft), aber auch der Kulturlandschaft (Denkmalschutz) mit ihren Architekturformen (landschaftsgerechtes Bauen) muss Vorrang haben vor ehrgeizigen Ausbauplänen.

4. Grundsatzentscheidungen notwendig

Der Fremdenverkehr ist politikfähig geworden. Er ist aber auch politikwürdig, ja politikbedürftig. Darin liegt seine Konfliktträchtigkeit.

Dies sollte nicht dazu führen, die für den Fremdenverkehr der Fränkischen Schweiz lebenswichtige Grundsatzentscheidung aufzuschieben: Welchen Fremdenverkehr wollen wir -jetzt, mittel- und langfristig? Wollen wir den "sanften", umweltverträglichen, ressourcenschonenden Tourismus? Ein klares Ja! Die weithin intakte Natur ist immer noch das größte Kapital des Fremdenverkehrs in der Fränkischen Schweiz. Klare Flüsse, reine Luft, vergleichsweise geringe Waldschäden.

Dieser "sanfte Tourismus" kann nicht um seiner selbst willen angestrebt werden. Er impliziert die Notwendigkeit, Bau- und Ansiedlungspolitik, Straßenbauten und touristische Großobjekte auf ihre Umweltverträglichkeit und auf ihre möglichen Konsequenzen für den Tourismus zu untersuchen. Siehe Ausbau B 470, siehe Freizeiteinrichtung Rabenstein.

Die Entscheidung für die Art des Tourismus darf selbstverständlich nicht ohne Vorbereitung und nicht ohne sachliche Gründe getroffen werden. In einer Stärken-Schwächen- Analyse für das Urlaubsgebiet Fränkische Schweiz kann eine Bewertung erfolgen, die die Emotionalität der Entscheidungsträger minimiert.

Erst wenn die Entscheidung über die Art des Tourismus gefallen, sozusagen das Unternehmensziel für Gebietsausschuss und Tourismuszentrale festgelegt ist, kann die Wirtschaftlichkeit des Mitteleinsatzes (ja vor allem von Steuergeldern) erhöht werden.

Entsprechend dem Gesamtziel sind die zukünftigen Werbemaßnahmen zielgruppenspezifisch festzulegen. Die Werbemittel müssen neu ausgewählt, der jeweilige Werbeumfang angesetzt, die Werbezeit bestimmt, der Werbeerfolg kontrolliert werden. D.h. das Werbebudget folgt in seiner Zusammensetzung - und vielleicht in seiner Höhe - nicht mehr dem Herkömmlichen, sondern es berücksichtigt die bekannten Marktdaten, in Verbindung mit dem nun definierten Werbeziel.

5. Aktivierungsvorschläge

Wichtiger als die möglichen Änderungsmaßnahmen im Betrieb der Tourismuszentrale ist zunächst, die Wirkkräfte des Marktes und ihre tendenzielle Entwicklung zu erkennen und zu berücksichtigen.

Seit Jahren lässt sich ein Trend zu Städtereisen feststellen. Für die Fremdenverkehrspolitik der Fränkischen Schweiz bedeutet das, wieder mehr die Städte Nürnberg, Bamberg, Bayreuth und Erlangen einzubeziehen. Dies kann durch die Beteiligung an geeigneten Werbemaßnahmen oder Programmen dieser Städte erreicht werden. In diesem Zusammenhang wäre auch eine intensivere Zusammenarbeit mit der Stadt Forchheim ("Torfunktion") zu sehen.

Die Zusammenarbeit der "Schweizen", jetzt insbesondere der Sächsischen und der Böhmischen, ist zu suchen. Zu gewinnen ist dabei werblicher Wiederholungseffekt, erhöhte publizistische und politische Aufmerksamkeit. Solche Verbundwerbung wird vorexerziert z.B. vom Bayerischen Wald, Böhmerwald und Mühlviertel unter dem Begriff "Das grüne Dach Europas" sowie von Niedersachsen mit Sachsen-Anhalt und Thüringen. Diese Verbundwerbung ist nun sicherlich die Konsequenz aus der Vergrößerung des Europäischen Binnenmarktes unter dem Aspekt des Europas der Regionen".

In allen Veröffentlichungen über den Reisemarkt in den letzten Jahren nimmt das Urlaubsmotiv Kultur immer mehr zu. Dies ist sicherlich ein Grund für den enormen Erfolg des Schleswig-Holstein-Festivals, bei dem übrigens das Verhältnis Reisende- Bereiste annähernd optimal gelöst ist. Vor dem Hintergrund dieser Erfolge bietet heute Schleswig-Holstein eine in Inhalt und Gestaltung vorbildliche Werbebroschüre an (Kultur erleben: Schleswig-Holstein). Zur Erinnerung: Franken hat vor über zwanzig Jahren mit seinem "Reichtum am Wege" entsprechende Vorreiterdienste geleistet. Auch der Harzer Verkehrsverband in Goslar ist tätig geworden mit "Der Harz - Kultur erfahren und erleben." Unschwer vorzustellen sind in diesem Zusammenhang Ausstellungen von regionaler (!) Bedeutung in Forchheim, Tüchersfeld und Hundshaupten, Literaturwochen, Ferienseminare der Bamberger Universität, die in Forchheim eine Außenstelle eingerichtet hat, auch die Idee einer Ferienakademie sollte diskutiert werden (Vorleistungen erbringt der Feuerstein).

Mittelfristig nicht zu vernachlässigen sind die Begriffe Gesundheit, Schönheit und Schlankheit. Zu denken ist an Gesundheitspflege, Gesundheitswochen, Bio-Fit-Wochen etc. In Südbayern und vor allem Österreich werden solche Angebote reichlich angenommen. Vorsicht aber hier vor Scharlatanerie!

Die Tatsachen, dass der Tourismusmarkt sich aus immer vielfältigeren und individuelleren Zielgruppen zusammensetzt und sich der Fremdenverkehr mit Naherholung, Wochenendurlaub und Kurzurlaub fast über das ganze Jahr erstreckt, sind bei der Programm - und Werbemittelgestaltung zu berücksichtigen.

Man wird zeitgemäße Werbebegriffe, Werbeslogans finden müssen, die die Erwartungen der Touristen treffen, die Sehnsüchte der heutigen Menschen stillen. "Landschaftsgarten" wird der Fränkischen Schweiz besser gerecht als "Freizeitpark". Kritisch zu untersuchen sind bestehende Begriffe wie "Schlupfwinkel des deutschen Gemüts" (pervertiert durch unkritische Adaptionen), Land der Burgen, Höhlen und Mühlen" (Höhlen sind vor allem schutzwürdig, Burgen gibt es auch woanders, und Mühlenromantik?). Zu bedauern ist, dass in der Vergangenheit des Gebietsausschusses erfolgte Versuche, den Begriff "Natur" ("Natürlich -Fränkische Schweiz", Naturismus, Naturheil usw.) in Zusammenhang mit der Landschaft zu etablieren, gescheitert sind. Aus einer damals möglichen Vorreiterrolle ist ein Hinterher geworden.

Die Maßnahmen der Tourismuszentrale beziehen sich auf die Verbesserung der Werbemittel und die Programmgestaltung. Die Arbeitsorganisation in der Tourismuszentrale wurde nicht untersucht.

Die gesicherten Erkenntnisse der Werbelehre und der Werbepsychologie sind nicht ausreichend berücksichtigt. Vorzufinden ist ein Sammelsurium an verschiedensten Werbemitteln bis hin zur dilettantisch gestalteten Kopie. Das Hauptmerkmal einer guten Werbestrategie ist, dass das Erscheinungsbild aller Werbemittel in den wesentlichen Teilen gleich ist. In Verbindung mit einem Slogan und/oder einem Werbesignet ist das höchst bedeutsam für das Wiedererkennen und das schnelle Zuordnen durch den Betrachter. Bei planmäßiger Vorgehensweise sind Verbesserung leicht zu erreichen.

Der Hauptprospekt (Katalog) bedarf einer Diskussion. Vor allem der Informationsteil lässt sich in seiner Gestaltung leicht verbessern. Die unkritische Verwendung des Begriffs "Auf nach Bayern" sollte ebenfalls überdacht werden. Vor allem aber ist eine auf die Fränkische Schweiz bezogene Individualität nicht zu erkennen. Wenn man die erklärenden Texte und das Titelblatt beiseite lässt, könnte der Prospekt für fast jede Mittelgebirgslandschaft Verwendung finden. Das ist jedoch bedenklich. In einer Zeit der hohen Sensibilität für Umweltprobleme und bei der hervorragenden Struktur der Nachfragegründe muss Umweltpapier eingesetzt werden. Mehr noch: Bis zu einem noch zu definierenden Zeitpunkt (etwa 1995) sollte die Tourismuszentrale keinen (Orts-) Prospekt mehr vertreiben, der nicht umweltfreundlich hergestellt ist. Das lässt sich zu einer positiven Imagekampagne nutzen.

Wegen der großen Vielfalt der Zielgruppen ist auf die Herausgabe und Gestaltung von Spezialbroschüren besonderer Wert zu legen. Solche Spezialbroschüren müssen auf der Basis eines Gesamtkonzeptes (bis hin zur Wiedererkennbarkeit im Layout) gestaltet werden:

- Kultur und (auch moderne) Kunst in der Fränkischen Schweiz. Museen und Galerien, inklusive umliegende Städte.

- Wandern und Radfahren, Urlaub ohne Auto.

- Essen und Trinken, Gastlichkeit inkl. Brauereien, Biergärten, Sonderkulturen, Schnapsbrennereien, Märkte, Volksfeste, kirchliche Feste.

- Sport aktiv und passiv, Gesundheit.

- Bibliographie über die Fränkische Schweiz. ÖPNV-Fahrplan, inkl. Dampfbahn.

Ein Fest- und Veranstaltungskalender sollte für das ganze Jahr zur Verfügung stehen. Außerhalb der Hauptsaison sollten mehr Angebote aufgelegt werden. Das Programm ließe sich schon durch Koordination von örtlichen Programmen ausweiten. Die bisherige Ausgabe ist nicht sehr attraktiv gestaltet, die Veranstaltungen müssten - siehe Spezialprospekte - gegliedert und erst innerhalb dieser Rubrik chronologisiert werden. Dies würde die Übersichtlichkeit wesentlich steigern. Das Veranstaltungsprogramm kann auch eine Plattform sein, auf der sich Einheimische und Gäste begegnen. Veranstaltungskalender als Mittel der inneren Werbung.

In der Fränkischen Schweiz ansässige Firmen mit überregionalem Bekanntheitsgrad könnten repräsentativ in die Verbundwerbung eingegliedert werden: Hertlein, Streitberg (Bitter, Kräuterliköre), Milchversorgung Ebermannstadt (Käse für Frankreich), Vierling, Ebermannstadt (High-Tech), Obstverwertung Pretzfeld, Piasten Forchheim, weitere Forchheimer Industriebetriebe.

Sonderveranstaltungen können sehr unterschiedlich motiviert sein. Hier wären in erster Linie die Geschichte und die Literatur zu befragen.

Treffen aller Schweizen. Allein die Beteiligung früherer DDR - Schweizen würde die Medienwirksamkeit garantieren. Daraus ließe sich auch ein besonderer Umweltschutztag gestalten.

Umweltbewusstsein könnte man auch beweisen, wenn es gelänge, dass eine deutsche Automobilfirma - am besten BMW - ihr neuestes elektrogetriebenes Umweltauto in der Fränkischen Schweiz präsentiert; oder dass eine Autofirma solch einen Wagen der Tourismuszentrale zur Verfügung stellt. Nebenbei: In Egloffstein befindet sich die erste bayerische Elektro-Tankstelle. Eine derartige Maßnahme hätte gleichermaßen Öffentlichkeits-, Medien- und Tourismusinteresse. Die Assoziation zu "Landschaftsgarten Fränkische Schweiz" wäre unübersehbar. In der Saison könnte sich die Fränkische Schweiz einen autofreien Sonntag verordnen (Vorbilder in den zwanziger Jahren).

Es werden Musterspeise- und -getränkekarten an die Wirte gegeben, mit sprachlichen Hinweisen (Bocksbeutel schreibt man nicht mit x, fränkische Offerten, keine bairischen, Schweinsbraten statt Schweinebraten), Tipps zur Lokalbelüftung (Küchenmief in der Kleidung verhindert Wiederkommen). Beratung für bodenständige Wirtsstuben- und Gastzimmergestaltung. Wie empfange ich einen Gast, wie verabschiede ich ihn? Wie bringe ich dem Gast Besonderheiten der Landschaft bei? Es macht keinen guten Eindruck, wenn der Gast bessere örtliche Geographie und Geschichtskenntnisse besitzt als sein Gastgeber. Kleinigkeiten: Nicht den zerfledderten Lesezirkel von vor drei Monaten ausliegen lassen, Informationen aushängen über Museumsöffnungszeiten, Busfahrpläne, Gottesdienste.

Kultur: Neben dem Volkstümlichen (muss selbstverständlich auch sein, darf nicht älplerisch anmuten) kommen zu kurz in der Fränkischen Schweiz die Literatur (Gruppe 47; denkbar ist eine Veranstaltung in der Pulvermühle: Was ist aus ihr geworden?) sowie Veröffentlichungen aus und über die Fränkische Fränkische Schweiz über Jahrhunderte hinweg. Freilichttheater: Es gab immer wieder Initiativen, aber sie blieben Eintagsfliegen wie auf der Neideck; Sanspareil ist fast völlig ungenutzt. Konzertreihen existieren mehr neben- als miteinander, sehenswerte Gebäude sind mehr geschlossen als geöffnet.

Gäste können eingebunden werden in landschaftserhaltende Maßnahmen. Sicher soll nicht der Animation im Sinne touristischer Großveranstalter das Wort geredet werden. Aber "dank" der zunehmenden Freizeit fehlt vielen Menschen, auch Besuchern der Fränkischen Schweiz, der Impuls zur sinnvollen Freizeit- und Urlaubsgestaltung. Morschreuth hat da sicher eine positive Vorreiterrolle.

Der Fremdenverkehr in der Fränkischen Schweiz leidet dann und wann und nicht selten unter der Kirchturmpolitik. Landschaftsprägend sind sie ja, die Kirchtürme, sie könnten Thema einer (Rund-) Wanderung sein; Begleitheft, Gottesdienstbesuch, Kirchenführung, Turmbesteigung inklusive.

Talfreilegung: Das Aussehen der Fränkischen Schweiz in ihrer tatsächlichen Entdeckungszeit (18. und 19. Jahrhundert) lässt sich aus Stichen, Radierungen und frühen Fotografien rekonstruieren. Die Natur gab mit dem Windbruch bei Burggaillenreuth vor einigen Jahren selbst einen Fingerzeig.

Schloss Hundshaupten ist ein dankenswertes Geschenk an den Landkreis Forchheim. Das enthebt niemanden, über eine adäquate Nutzung nachzudenken. Es darf nicht ausgeschlossen werden, das Schloss in den Dienst des Fremdenverkehrs, womöglich der Werbung, auf jeden Fall der Kunst zustellen.

Vorschläge:
Unterbringung der Tourismuszentrale. Sie ist in Ebermannstadt nicht landschaftsspezifisch und werbewirksam untergebracht. Die Räume im Hinterhof wirken nicht einladend. Der Besucherverkehr ist - im Gegensatz zu örtlichen Verkehrsämtern - eher gering.

Verlegung der Bibliothek des Fränkische Schweiz- Vereins nach Hundshaupten. Dies würde eine Stimmigkeit zwischen Vereinsgeschichte- und Auftrag, Landschaft und Kulturdenkmal herstellen.

Der Landkreis Forchheim (der ohnehin jedes Jahr Kulturförderpreise vergibt) könnte zwei Stipendien vergeben: eines an einen jungen, nicht mehr ganz unbekannten Schriftsteller ("Schlossschreiber") und eines an einen bildenden Künstler. Die Aufenthaltsdauer sollte jeweils ein Jahr betragen. Mit einer solchen Einrichtung könnte in der Fränkischen Schweiz auch die zeitgenössische Kunst eine Heimat finden. Apropos: Die Curt-Hermann- Sammlung in Pretzfeld kennen auch nur Spezialisten

Im Schloss könnte eine literarische Vortragsreihe in Zusammenarbeit mit dem Studio Franken des Bayerischen Rundfunks installiert werden.

Zu erörtern wäre der Plan eines Fränkische Schweiz- Kunstsommers. Im Schloss ließen sich auch Ausstellungen realisieren. Es muss ja nicht unbedingt die Villa Massimo werden ...

6. Organisatorische Fragen

Die bisherigen Behauptungen und Anregungen zeigen, dass die Tourismuszentrale vor einem wirklich großen Berg von Aufgaben steht. Der Ideenkreis legt Wert darauf, dass sich die Arbeit für den Fremdenverkehr der Fränkischen Schweiz nicht im Prospektversand, in Journalistenbetreuung oder in Messebesuchen erschöpfen darf. Zu beheben ist vor allem das Defizit an innerer Werbung.

Die Aufgaben der Mitarbeiter in der Tourismuszentrale setzen vor allem Grundwissen der Marktforschung, der Werbung, sogar der Psychologie voraus, aber auch die wesentlichen Kriterien des Druck- und Medienwesens wären gefordert. Das heißt: Die Tourismuszentrale braucht wenigstens einen gelernten Fremdenverkehrsfachmann.

Denn die quantitativen und qualitativen Anforderungen setzen Professionalität voraus. Zumal dann, wenn die schwieriger werdenden Märkte genutzt und die immer knappen Mittel rationell eingesetzt werden sollen. Der Fremdenverkehrsverband Franken kann hier nur Hilfsdienste leisten, wobei das Risiko der terminlichen Bereitstellung des Wissens außer Betracht bleibt.

Unter der Voraussetzung, dass die jetzige Besetzung der Tourismuszentrale unverändert bleibt, gibt es nur einen schmalen Ausweg: Kurzfristig müsste für die Mitarbeiter eine detaillierte Aufgaben- (Stellen-) Beschreibung angefertigt werden. Drei Aspekte: erstens ließe sich durch rationellen Einsatz der Arbeitszeit die Gesamtaufgabe in absehbarer Zeit in den Griff bekommen; zweitens würde den einzelnen Mitarbeitern eine wichtige Entscheidungs- und Kompetenzhilfe gegeben werden; drittens wäre erst damit die Leistungsbereitschaft und Leistungsintensität kontrollierbar - wie in jedem anderen Betrieb.

Soll der "Ideenkreis" weiterwirken, so ist seine organisatorische Einbindung in den Gebietsausschuss unverzichtbar. Denn die Mitglieder des Ideenkreises haben ein Interesse daran, dass ihre Vorschläge sachlich diskutiert werden. Und da die politische Umsetzung nur im Vorstand geschehen kann, müsste eine Plattform zur gemeinsamen Diskussion und Durchsetzung geschaffen werden. Dies könnte mit einem Beiratsstatus erreicht werden, der funktional zwischen Vorstand und Geschäftsführung anzusiedeln wäre. Er müsste stets zu den Vorstandssitzungen hinzugezogen werden. So könnte er Vorstandsentscheidungen vorbereiten und der Geschäftsführung Hilfsmittel zur Bewältigung der Gesamtaufgabe an die Hand geben.

7. Zusammenfassung

"So viel Anfang war noch nie ..." (Hermann Glaser, 1989)
Ideen kann man nicht produzieren. Sie sind entweder vorhanden oder nicht. Das Wort ,Idee" impliziert aber auch eine Einzelmaßnahme. Solche dürfen ruhig abfallen aus der Arbeit des Ideenkreises Fränkische Schweiz, der seine Arbeit aber ganzheitlich angeht, so ganzheitlich, wie der Fremdenverkehr der Zukunft gesehen werden muss.

Fremdenverkehrs-Erfolg kann nicht mehr gemessen werden in statistischen Zahlen (noch mehr Übernachtungen, noch mehr Betten, noch mehr Gäste etc.), sondern nur noch in der Zufriedenheit der Gäste und, neuer Aspekt, der Gastgeber mit den Gästen. So ist das "Landschaftsgerecht" künftig zu verstehen. Folgende grundsätzlichen Fragen sind sorgfältig zu untersuchen, sorgfältiger, als es das Idealistenteam Ideenkreis in seiner jetzigen Zusammensetzung leisten kann:

a) Welchen Fremdenverkehr besitzt die Fränkische Schweiz tatsächlich?

b) Welchen Fremdenverkehr will die Fränkische Schweiz in Zukunft?

Allzu hohe Zuwachsraten sind weder realistisch noch anzustreben. Zu verbessern ist die Qualität des gesamten touristischen Bereiches in der Fränkischen Schweiz. Dies beginnt bei der Besinnung auf die romantischen Wurzeln der Landschaft, die das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zu anderen Mittelgebirgslandschaften ist. Es gilt, Ausflügler und Urlauber voneinander fernzuhalten, es gilt, durch spezifische Verkehrsplanungen das hohe Verkehrsaufkommen an bestimmen Tagen zu entflechten. Es gilt, den unterschiedlichen Urlaubsformen von Gegenwart und Zukunft gerecht zu werden. Es gilt, die Angebotspalette zu vergrößern, ohne die erhaltungswürdigen Charakteristika der Landschaft auch nur zu beeinträchtigen.

Das wesentliche Kapital der Region ist die Natur. "Idee": Es sollten auch gemeindliche Naturschutzbeauftragte bestimmt werden, die eng mit den touristisch Verantwortlichen zusammenarbeiten sollten.

Wandern wird die Hauptsportart der Fränkischen Schweiz bleiben. Andere landschaftstypischen Sportarten wie Klettern, Höhlentouren oder Kanufahren sollten nicht verboten, aber klar kanalisiert werden. Wichtig wird der Gesundheitstourismus sein -nichts Neues, denkt man an die Streitberger Molkenkuren des 19. Jahrhunderts.

Verstärkt zu setzen ist auf den Kulturtourismus. Allerdings sollten derartige Programm profihaft für die gesamte Fränkische Schweiz entwickelt und organisiert werden, ohne dabei die bodenständigen Strukturen aufzugeben. Als potentielle Besucher kommen auch Einheimische in Frage.

Die regionale Gastronomie vermag den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden, ist aber verbesserungswürdig in unscheinbar wirkenden Details (sprachliche Sorgfalt bei Speisenkarten, Lücken bei heimatkundlichen Informationen, Mängel in der ureigensten Ausbildung). Hier sind auch die Gastronomen gefordert: Viele sind geneigt, sich auf die Initiativen der örtlichen und überörtlichen Fremdenverkehrswerbung zu verlassen. Gastronomen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und zusätzlich eigene Gästekreise erschließen, die zu ihrem Haus passen, haben schon jetzt mehr Erfolg als ihre Konkurrenten. Ebenfalls auf jedem Level. Es wird empfohlen, einen gastronomischen Führer für die Fränkische Schweiz herauszugeben, der die Lokale vor allem nach den regionalen Spezialitäten qualifizieren sollte.

Zu verbessern ist die Schlagkraft auch der örtlichen Verkehrsämter, zu beenden die Kirchturmpolitik (die allerdings landschaftstypisch ist).

Nachzudenken ist auch über neue Finanzierungsmodelle in der Fremdenverkehrs-Betreuung. Zu fordern ist hier neben der Gastronomie das örtliche Gewerbe, das ja auch unmittelbaren Nutzen aus der Tourismuspolitik zieht.

Allerdings: Ohne den Willen zu einer wirklich konzertierten Aktion aller, die für die Fränkische Schweiz Verantwortung tragen, wird die Landschaft keinen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einem zukunftssicheren Fremdenverkehr vorwärtskommen.

Reinhard

Heimatkunde
Presse
Privat
Schallplatten
Alte Postkarten
Tourismus
Sitemap
 

R. Löwisch und M. Neubauer, Affalterthal 13, 91349 Egloffstein. Tel. 09197-697740