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30 Jahre Tourismuszentrale Fränkische Schweiz 

von Reinhard Löwisch

  Gründungsbild:

Von li. nach rechts: Landrat Dr. Kohut, Bayreuth; Georg Daum, Heiligenstadt; Landrat Otto Ammon, Forchheim; Geschäftsführerin Christl Thömmes, Bürgermeister Karl Theiler, Ebermannstadt. Die Aufnahme stammt vom Tag der Einweihungsfeier der Tourismuszentrale am 1.4.1974. 

Im Frühjahr 1974, wurde die Tourismuszentrale als landkreisübergreifendes Fremdenverkehrsamt des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz ins Leben gerufen. Damit wurden neue touristische Wege beschritten, da es damals fast keine vergleichbare Einrichtung in Franken gab. Grund genug ein bisschen in der Vergangenheit des Gebietsausschusses und damit des Tourismus in der Fränkischen Schweiz zu stöbern.

Die Geschichte des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz beginnt nachweislich 1951. Zu jener Zeit fand die Neugründung des Nordbayerischen Fremdenverkehrsverbandes (heute Tourismusverband Franken) in Nürnberg statt mit dem Ziel, möglichst bald kompetente Partner in ganz Franken zu mobilisieren. In der Fränkischen Schweiz war dies der Fränkische Schweiz- Verein, der vier Jahre vorher schon durch den damaligen Landrat von Ebermannstadt, Dr. Rudolf Eberhard, wieder ins Leben gerufen worden war. Die entstandene Not durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges zwang zum Handeln; in den meisten Hotels und Gasthöfen waren Flüchtlinge und Besatzungstruppen einquartiert, die schlechten Straßenverhältnisse verhinderten wirtschaftlichen Aufschwung.

Daher war eine der ersten Aufgaben des fränkischen Verbandes die Gründung von regionalen Gebietsausschüssen, als "verlängerter Arm" des Verbandes. Der Fränkische Schweiz Verein (FSV) mit seinen bis dato 20 Mitgliedsgemeinden wurde einer der ersten Verbandsmitglieder. Damit waren auch die touristischen "Grenzen" der Fränkischen Schweiz vorerst gesteckt. Das Gebiet umfasste die Ortsgruppen und Gemeinden, die bis zu diesem Zeitpunkt Mitglied des FSV geworden waren.

Dem Gebietsausschuss Fränkische Schweiz gehörte nachweislich der FSV- Geschäftsführer Heinrich Uhl seit 1951 als Obmann an. Der erste Jahresbericht des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz findet sich im Geschäftsbericht des Fremdenverkehrsverbandes Nordbayern e.V. aus dem Jahre 1957. In diesem Jahr war Rudolf Eberhard bereits der erste Vorsitzende des fränkischen Verbandes und bayerischer Finanzminister. Uhl lobte in diesem Rückblick den Fortschritt beim Straßenbau (ein Verdienst Eberhards) und, dass "nur noch ganz wenige Gasthäuser und Privatzimmer kein fließendes Wasser im Zimmer haben". Ein Jahr später konnte Uhl schon ganz konkret berichten, dass "Sportfischen" zu einer der beliebtesten Urlauberaktivitäten zählt. Pottenstein, Egloffstein und Gößweinstein bekamen 1958 als erste das Prädikat "Staatlich anerkannter Luftkurort". Ein Jahr später gaben Streitberg, Muggendorf, Behringersmühle und Gößweinstein, Egloffstein und Waischenfeld den ersten (gemeinsamen) Ortsprospekt nach dem Kriege heraus, "der sehr gut angekommen ist", wie Uhl kommentierte.

1960 berichtete Uhl, dass "immer mehr Busgruppen, durch Reisebüros vermittelt in die Fränkische kommen". Skandinavier, Niederländer und Engländer bevorzugen meist das Wiesenttal und hier besonders den Gasthof in Doos, zum Sportfischen und zum Wandern. Bis 1962 waren der Gebietsausschuss Fränkische Schweiz und der FSV identisch, Rechtsrat Uhl war seit 1951 auch Hauptvorsitzenden des FSV und bemühte sich, beide anspruchsvolle Posten unter "einen Hut" zu bringen. Den Gebietsausschuss betrachte er als Instrument, um Gäste in die Fränkische Schweiz zu locken, den FSV als Organisation, die sich vor allem um die touristische Erschließung der Region kümmerte. Das Anlegen und die Pflege von Wanderwegen war eines der Aufgabenschwerpunkte seinerzeit. Aus Altersgründen gab Uhl beide Posten 1962 ab und damit trennten sich die Wege des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz und des FSV.

Auf seiner Jahresversammlung in Pottenstein, im Sommer 1962 wählte der FSV den Amtsnachfolger Eberhards, Landrat Franz Josef Kaiser aus Ebermannstadt, zum 1. Vorsitzenden des Heimatvereins. Das Amt des Gebietsausschussvorsitzenden ging an den damaligen Landrat von Pegnitz, an Dr. Heinrich Dittrich. Dieser kümmerte sich bis 1971 um die Belange des Fremdenverkehrs in der Fränkischen Schweiz. 1964 brachte er das erste Gebietsprospekt nach dem Krieg in einer Auflage von 54 000 Exemplaren unter die Leute, der Fremdenverkehr in Franken "boomte". Laut Geschäftsbericht des fränkischen Verbandes konnten die Übernachtungszahlen von 1954 auf 1964 fast verdoppelt werden und beliefen sich auf 7,3 Millionen.

Auch in der Fränkischen Schweiz entwickelte sich der Fremdenverkehr sehr positiv. Hatte Gößweinstein zum Beispiel 1957 noch 38 000 Übernachtungen, waren 1965 bereits 61 400 und 1974 rund 128 000 Übernachtungen zu verzeichnen Die Gäste kamen vor allem aus Nord- und Westdeutschland, aus den Niederlanden und Dänemark. 19 Gemeinden besaßen 1966 bereits eigene Ortsprospekte, wie Dittrich im Jahresbericht erwähnte.

Um dem steigenden Fremdenverkehrsaufkommen Rechnung zu tragen, legte der Gebietsausschuss 1967 eine neue Panoramakarte auf mit einer Auflage von 240 000 Exemplaren. Im gleichen Jahr gründete sich auf Anregung Landrat Dittrichs eine "Werbegemeinschaft Fränkische Schweiz" mit dem Gößweinsteiner Verkehrsamtsleiter Heinrich Endrös an der Spitze. Diese hatte 1969 ihren größten Erfolg zu verbuchen. Wie eine "Bombe" schlug das Reisepreisausschreiben der Werbegemeinschaft in diesem Jahr ein. 4600 Antworten erreichten das Gößweinsteiner Verkehrsamt, wo die Werbegemeinschaft ihren Sitz hatte. Preise im Wert von 10 000 Mark wurden damals verlost. Dadurch konnte allein Gößweinstein im Vergleich zum Vorjahr 400 Gäste mehr und damit insgesamt 6320 Gäste begrüßen, Behringersmühle meldete gar 14 Prozent mehr Gäste.

1971, am 6. November übernahm der Forchheimer Landrat Otto Ammon das "Ruder" des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz. Landrat Dittrich ernannte man zum Ehrenvorsitzenden. Ammon legt gleich richtig los. Am 11. März 1972 veranstaltete er in Ebermannstadt ein "Hearing", bei dem es vor allem darum ging, den Fremdenverkehr weiter zu forcieren. Im gleichen Jahr gab bezuschusste der Gebietsausschuss Reisevorschläge in einem eigenen Merian-Heft. 1973 forderte Ammon lautstark die Schaffung eines zentralen Verkehrsamtes für die Region, die auch als Geschäftsstelle des Gebietsausschusses fungieren sollte..

Am 1.4. 1974 war es dann endlich soweit. Gebietsausschussvorsitzender Landrat Ammon konnte im ehemaligen Landratsamtsgebäude in Ebermannstadt zusammen mit Landrat Dr. Josef Kohut aus Bayreuth die "Tourismuszentrale Fränkische Schweiz" (TZ) installieren und damit die erste ihrer Art in Franken. Im Rechenschaftsbericht von 1975 schrieb er rückblickend: "Ich brauche meine Freude über die Gründung einer Fremdenverkehrseinrichtung durch die beiden Landkreise Bayreuth und Forchheim nicht noch einmal zum Ausdruck bringen. Die Verhandlungen hierüber waren zäh, aber auch fair. Maßgebend scheint mir, dass die Einrichtung überhaupt zustande gekommen ist". Die erste Geschäftsführerin der Tourismuszentrale wurde Christl Thömmes, die durch ihren Mann, dem Geschäftsführer des deutschen Fremdenverkehrsverbandes, die besten Beziehungen zur internationalen Presse hatte. Mit dem Beginn dieser Ära hatte die "Werbegemeinschaft Fränkische Schweiz" ihren würdigen Nachfolger gefunden und stellte die Arbeit ein.

Eine der ersten Aufgaben der TZ war die Herausgabe eines "Erlebnispasses", der den Gästen Vergünstigungen in 15 Sehenswürdigkeiten gewährte. In den Folgejahren wurde die Messearbeit ausgebaut, verstärkt Anzeigenwerbung betrieben und weitere Gebietsprospekte erstellt. Der Aufwand lohnte sich. 1980 konnte die TZ 900 000 Übernachtungen registrieren, 1998 waren es bereits 1,6 Millionen Übernachtungen und fast neun Millionen Tagesgäste die einen touristischen Umsatz von rund 400 Millionen Mark bedeuteten und den Tourismus damit endgültig zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Zweige der Region werden ließ.

Zum 30. September 1991 ging Christl Thömmes in den wohlverdienten Ruhestand. Kurz zuvor gelang es ihr noch, innerhalb des ehemaligen Landratsamtes in den ehemaligen Sitzungssaal umzuziehen, dorthin wo die TZ noch heute ihre Büroräume hat. Seit 1.10.1991 ist Franz Xaver Bauer, er war vorher Verkehrsamtsleiter in Gößweinstein, der Nachfolger im Amt des Geschäftsführers. Seit 1971 wird der jeweilige Landrat des Landkreises Forchheim auch zum Ersten Vorsitzenden des Gebietsausschuss Fränkische Schweiz gewählt. Seit dem Frühjahr 1997 heißt der Chef nun Reinhardt Glauber. Auch er setzte, wie sein Vorgänger Ammon, gleich neue Maßstäbe. Kaum in Amt und Würden ging er daran, das Radwegenetz der Fränkischen Schweiz zu erweitern. Sein (grenzüberschreitendes) Radwegekonzept genießt mittlerweile in Nordbayern große Anerkennung.

Der Stellvertreter im Amt des Gebietsausschussvorsitzenden ist seit jeher der Bayreuther Landrat, derzeit Hermann Hübner (als Nachfolger Dr. Dietels und Dr. Kohuts). Seit 1976 ist der Landkreis Bamberg und seit 1986 der Landkreis Kulmbach (mit den Gemeinden Thurnau, Wonsees und Kasendorf) dem Gebietsausschuss angeschlossen, so dass die TZ mittlerweile in vier Landkreisen tätig ist - und darüber hinaus. Seit zwei Jahren ist sie auch ein bisschen für den Landkreis Erlangen zuständig, genauer für die Gemeinde Bubenreuth. Denn als diese Gemeinde sich beim Tourismusverband für eine touristische Region entscheiden konnte, weil im "Grenzgebiet" gelegen, entschied sie sich für die Fränkische Schweiz und nicht für die Region Nürnberg.

Reinhard

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